2.5.1: Warenkorbmodell
Der gleiche Sachverhalt, der in Definition 20
mit charakteristischen Funktionen
definiert wurde, kann - wie häufig - auch mit Mengen definiert
werden. Dann spricht man auch vom
Warenkorbmodell. Dazu wird von einer Grundmenge
von
n
"Produkten"
ausgegangen.
W
ist eine Teilmenge,
B
ein einzelnes Element
(Produkt) der Grundmenge und
der Beispielmenge
entspricht eine Folge von
m
Teilmengen der Grundmenge.
Die Regel
W B
gilt dann zur Basis
, wenn mindestens
m
dieser Teilmengen die Menge
W {B}
enthalten.
Sie gilt zum Grad
, wenn der Quotient aus dieser Anzahl und der Anzahl
der Beispielmengen, die
W
enthalten, größer oder gleich
ist.
In einer Datenbank über Teilnahme
an Lehrveranstaltungen im Fach Informatik könnte z.B.
die folgende assoziative Regel gefunden werden:
Einführung in UNIX
Programmieren in C (0,84, 0,34)
Das würde bedeuten, dass
84% der Studierenden, die eine Einführung in
UNIX belegt haben, auch Programmieren in
C belegt haben, und dass
insgesamt 34% der Studierenden beide Veranstaltungen belegt
haben. Wenn es viele Attribute gibt, kann es sehr viele solche assoziativen Regeln
geben, auch wenn der Grad groß gewählt wird. Zu ihrer effizienten
Bestimmung werden eine ganze Reihe von Methoden und Verfahren
entwickelt, auf die hier aber nicht näher eingegangen werden
soll.
In Abbildung 69
sind zwei
Beispiele aus Klemettinen, Mannila, Ronkainen, Toivonen und Verkamo (1994)
angegeben. In beiden Fällen ist die Anzahl der Regeln
hoch. Bei den Beispielen aus dem
Computerversand ist sie allerdings noch erheblich größer als
bei den Belegungen von Lehrveranstaltungen.
Das kann zum einen dadurch erklärt werden,
dass die Rechner
eher in standardisierten Zusammenstellungen
geliefert werden, zum anderen aber auch
dadurch, dass die Anzahl der Attribute größer
und die Anzahl der Beispiele kleiner ist.
Bei der Basis
=0,06
und 524 Beispielen kann eine Regel gefunden werden,
wenn mehr als 31 Beispiele die Bedingungen der linken Seite
erfüllen. Zudem ist die mittlere
Anzahl von belegten Attributen im zweiten
Beispiel höher.
In beiden Fällen ist die Anzahl der Regeln zu
groß, um sie noch sinnvoll "von Hand" sichten und
auswerten zu können. Es müssen daher automatisierte Verfahren
verwendet werden, um interessante Teilmengen zu finden. Zudem gibt es
Regeln, die sich bereits aus der Natur der Daten
ergeben und daher nicht weiter interessant sind. Die
Regel
Design & Analysis of Algorithms
Fundamentals of ADP (0,97, 0,03)
besagt z.B., dass 97% der Studierenden, die den Kurs
"Design and Analysis of Algorithms" belegt haben, im Laufe
ihres Studiums auch den Kurs "Fundamentals of Automated Data
Processing" belegt hatten. Da der zweite Kurs ein Einführungskurs ist,
den die meisten Studierenden zu Beginn ihres Studiums belegen, ist das nicht sonderlich informativ oder
überraschend.
Um trotz der großen Zahl möglicher Regeln
Wissen zu extrahieren, teilen Klemettinen et al. (1994) [->]
die Kurse in Teilmengen wie "basic courses" und
"graduate courses"
oder Kurse verschiedener Fachgebiete ein. Dadurch wird
Wissen über das Themengebiet eingebracht, das genutzt werden kann,
um Regeln zu formulieren. Mit Hilfe der Einteilungen können Kurse
spezifiziert und ausgewählt werden. Dazu verwenden Klemettinen et
al. so genannte Templates.
Mit Hilfe dieser Templates können nun
Mengen von Regeln bestimmt
werden. Dazu kann zunächst ein
positives Template angegeben werden. Das System
zeigt dann alle Regeln an, die von diesem Template erfasst
werden. Zusätzlich kann ein
negatives Template angegeben werden.
Die Regeln, die von diesem Template erfasst werden,
werden dann wieder von der Anzeige
ausgeschlossen. Dieses Verfahren ist damit quasi
ein Suchverfahren auf der Menge der assoziativen Regeln:
Die Teilmengen Wj
geben Bedingungen an, mit denen eine Teilmenge der
Regeln bestimmt wird.
Dieses Verfahren wurde für binäre Attribute entwickelt,
also für den Fall, in dem Mengen durch ihre charakteristische
Funktion dargestellt werden. Deshalb müssen zur Verallgemeinerung
Teilmengen der Menge der Attribute verwendet werden.
Bei nichtbinären Attributen kann man Verallgemeinerungen
dadurch beschreiben, dass man Teilmengen der Wertemenge eines Attributs
als Attributwerte zulässt, in der Sprache des AQ-Algorithmus also
auch Selektoren als Attributwerte erlaubt. Diese Teilmengen des
Wertebereichs können z.B. durch eine streng hierarchische
Klassifikation beschrieben werden. Auch hier wird durch die
Klassifikation Wissen über das Themengebiet eingebracht, das
benutzt werden kann, um Regeln zu formulieren. So
könnte man die Lebensjahre eines Menschen in
Kindheit, Jugend, Berufsfähigkeit und Rentenalter einteilen.
Das dritte Lebensjahr ist z.B. ein Teil der Kindheit oder
umgekehrt die Kindheit eine Verallgemeinerung des dritten Lebensjahres.
Existenzaussagen, die über ein Beispiel mit dem
spezifischeren Wert gelten, gelten dann auch für den
verallgemeinerten Wert: Aus der Aussage "Karl ist drei Jahre alt"
(
x:
mit
alter(x)=3Jahre
und
name(x)=Karl
) kann man folgern: "Karl ist ein Kind"
(
x:
mit
alter(x) Kindheit
und
name(x)=Karl
)
Man kann die Ordnung des Wertebereichs, die durch ein
hierarchisches Klassifikationssystem gegeben ist, auch anders
beschreiben: Lässt man die Namen der Klassen (also z.B. Kindheit,
Jugend) als Werte des Attributs zu, definiert die Teilmengenrelation
eine Teilordnung auf diesem erweiterten Wertebereich.
Auf einer Menge kann es mehrere Teilordnungen geben.
Um aus einem hierarchischen Klassifikationssystem auf einer Menge
R
eine Teilordnung
abzuleiten, verwendet man die
Mengeninklusion auf der Potenzmenge
P(R)
, also der Menge aller Teilmengen von
R
. Für diese Teilordnungen ist die Menge
R
ein maximales Element.
Geht man zum System der in der Klassifikation vorkommenden
Teilmengen über, bleibt die Teilordnung mit maximalem Element
erhalten. Weil durch die Teilmengen einer streng hierarchischen Klassifikation
eines Themengebiets Konzepte definiert werden, bezeichnet man die so
erzeugte Teilordnung auch als
Konzepthierarchie.
Ein KDD-Verfahren, das mit solchen Teilordnungen arbeitet, soll im
Folgenden 2.5.2
vorgestellt werden.
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